Neue Löschfahrzeuge wurden offiziell an die Feuerwachen übergeben Datum: Friday 12 December 2008 14:13:26 Thema: Neues bei der Berufsfeuerwehr Köln
Indienststellung von 5 neuen HLF 20/12
Ersatzbeschaffung der LF 1-2, LF 3, LF 5, LF 7 und LF 10 Von der Firma Lentner (Hohenlinden, Bayern) wurden auf Fahrgestellen der Firma Mercedes-Benz (Wörth, Rheinland-Pfalz) fünf neue Hilfeleistungslöschfahrzeuge (HLF 20/12) für die Berufsfeuerwehr Köln gefertigt. Nach der Abnahme im Werk und Übergabe an das Sachgebiet 372/1 – Fahrzeuge werden die fünf HLF 20/12 nun in Dienst gestellt.
Die fünf HLF ersetzen die Löschfahrzeuge LF 1-2, LF 3, LF 5, LF 7 und LF 10.
Technische Daten
Fahrgestell: Mercedes-Benz Atego 1529 F mit einem Radstand von 4160 mm, 6 Zylinder-Reihendieselmotor mit einem Hubraum von 6374 ccm und 210 kW (286 PS), Euro 4-Abgasnorm, Ad Blue-Technik (Zusatz von Harnstoff-Lösung), 6 Gang-Allison-Automatikgetriebe mit Retarder, ABS, Servolenkung, Nebenantrieb für Pumpenbetrieb, Scheibenbremsen an allen Rädern, Straßenantrieb 4x2, Bereifung 6-fach 275/70 R22,5 an Vorder- und Hinterachsen, maximal zulässiges Gesamtgewicht von 15.000 kg, Serienfahrerhaus kippbar, Fahrer-Airbag, Rückfahrwarner, Zusatzheizung
Fahrzeugabmessungen: Höhe: 3300 mm Länge (incl. Haspel): 8520 mm Länge (ohne Haspel): 7670 mm Breite: 2500 mm
Aufbau: Der Aufbau besteht aus glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK) der Firma Plastisol. Die Fahrzeuge verfügen über eine im Aufbau integrierte Mannschaftskabine mit drei Sitzen mit integrierten Halterungen für Pressluftatmer entgegen der Fahrtrichtung und drei normalen Sitzen in Fahrtrichtung.
Weitere Angaben: - Lackierung in Tagesleuchtfarbe RAL 3024 mit reflektierender weißer Konturmarkierung, - Funkgerät Teledux 9 der Firma EADS mit Bediengerät FBT 897 der Firma Carls im Fahrerhaus verbaut mit zweiter Besprechungsstelle am Pumpenbedienstand, Vorbereitung zur Nachrüstung von Digitalfunk mit zentraler Steuereinheit ZSE 933 der Firma Carls zur Koppelung von digitaler und analoger Funktechnik, - optische und elektronische Warnanlage mit Blaulichtern in LED-Technik im TOPAS-Dachbalken der Firma Pintsch-Bamag sowie zusätzlich akustische Kompressor-Warnanlage mit vier Fanfaren der Firma Martin, - auf Dachbalken montierter Suchscheinwerfer mit Fernbedienung, - Unfalldatenspeicher (UDS), - Druckhaltekompressor, - Umfeldbeleuchtung, - pneumatischer Lichtmast in Xenontechnik (24 Volt, 4 Scheinwerfer, Lichtpunkthöhe 8 Meter), - Manövrierscheinwerfer an Fahrer- und Beifahrertüren, - mechanische Schiebeauftritte für die Geräteräume G1 und G2, - abklappbare Radkästen als Auftritte über der Hinterachse, - entnehmbarer Stromgenerator mit einer Leistung von 13 kVA im Geräteraum G1, - 50 m Schnellangriff im Geräteraum G 6, - Löschwassertank mit einem Inhalt von 1200 Litern, - einstufige Niederdruckpumpe GODIVA WS 3010 des Pumpentyps FPN 10-3000 (Nennleistung von 3000 l/min bei 10 bar) mit Doppelkolbenentlüftung im Heckgeräteraum, - 6 x 20 l Mehrbereichs-Schaummittel in Kanistern, - Sprungretter Lorsbach SP 16, - Hydraulikaggregat für Rettungsschere und -spreizer der Firma Holmatro schwenk- und entnehmbar gelagert, - Schiebleiter, Steckleiter und Hakenleiter auf den Dachkästen gelagert.
Technisches Konzept
Der Ersatzbeschaffung der fünf neuen Hilfeleistungslöschfahrzeuge vorausgegangen war eine mehrmonatige Planung in einer eigens dafür gebildeten Arbeitsgruppe. Diese Arbeitsgruppe setzte sich zusammen aus Vertretern folgender Abteilungen, Sachgebiete und Feuerwachen: 372/V, 371/1, 372/1, 372/2, FW1, FW5, FW6, FW10, PR.
Gegenüber den vorhandenen Löschfahrzeugen der Berufsfeuerwehr konnten einige wesentliche technische Änderungen umgesetzt werden. Das neue Fahrzeugkonzept für HLF der Berufsfeuerwehr Köln berücksichtigt dabei sowohl die einsatztaktischen Erfordernisse des Einsatzdienstes, als auch technische Vorgaben der Fahrzeugindustrie.
Im Folgenden werden die Hintergründe für die wesentlichsten Änderungen erläutert.
Durch die Mitglieder des Arbeitskreises wurde geprüft, ob die Löschfahrzeuge der Berufsfeuerwehr Köln noch den Erfordernissen des heutigen Einsatzalltages entsprechen und welche Veränderungen des Fahrzeugs und der Beladung ggf. nötig sind.
Das grundsätzliche Konzept der Hilfeleistungslöschfahrzeuge der Berufsfeuerwehr Köln und deren Beladung ist an die täglichen Aufgaben zur Gefahrenabwehr eines HLF im Einsatzdienst einer Großstadt angepasst.
Fahrgestell: Um auch weiterhin annähernd kompakte Fahrzeugabmessungen zu erhalten, wurde die Fahrzeugklasse mit einem zulässigen Gesamtgewicht von 14 bis 15 Tonnen beibehalten. Die Wahl eines größeren Fahrgestelles wäre u.a. mit einer geringeren Wendigkeit im Straßenverkehr verbunden gewesen.
Aufbau: Es wurde eine modulare und veränderbare Konstruktion des Aufbaus gewählt, um dessen Gewicht möglichst gering zu halten und Anpassungen der Normbeladung auch an zukünftige einsatztaktische Vorgaben zu ermöglichen. Dies wurde um so wichtiger, da die Einführung der Euro 4-Abgasnorm zu zusätzlichen Fahrzeugeinbauten z.B. eines zusätzlichen Harnstofftanks (Ad Blue-Technik) geführt hat. Volumen und Gewicht möglicher zusätzlicher Beladung werden dadurch eingeschränkt.
Getriebe: Die Einsatzfahrzeuge des ersten Abmarsches, d.h. der häufig zum Einsatz kommenden Fahrzeuge im 24 h-Dienst von Feuerwehr und Rettungsdienst wie ELW, LF, DL, TLF/TRO, ELW, NEF und zukünftig auch RTW werden mit einem vollautomatischen Getriebe ausgestattet. Dadurch werden die bekannten Vorteile wie Erhöhung der Sicherheit durch Entlastung des Fahrers und damit bessere Konzentration des Fahrers auf den Straßenverkehr in Stress- und Gefahrensituationen sowie Erhöhung der Wirtschaftlichkeit durch geringeren Verschleiß und damit weniger Werkstattaufenthalte, aber auch kein Verschalten und kein Zurückrollen beim Anfahren genutzt.
Fahrzeugbreite: Die neuen HLF haben eine Fahrzeugbreite von 2,50 m gegenüber 2,30 m der bisherigen Löschfahrzeuge. Für diese Veränderung waren technische und finanzielle Gründe entscheidend. Fahrzeuge dieser Größe für den kommerziellen Markt (z.B. im Speditionsverkehr) werden grundsätzlich mit einer Breite von 2,50 m ausgeliefert. Die bei der Berufsfeuerwehr Köln bisher gewohnte Fahrzeugbreite von 2,30 m, die so genannte „Schweizer Breite“, wird von den Fahrzeugherstellern nur noch auf besonderen Kundenwunsch realisiert. Er ist mit einem erheblichen technischen und finanziellen Mehraufwand verbunden, da die ab Werk serienmäßig verbauten Achsen nachträglich durch eine schmälere Bauart ersetzt werden müssen. Zudem verlängert sich die Auslieferungszeit für das Fahrgestell ganz erheblich.
Weitere Nachteile ergeben sich durch die schmale Baubreite hinsichtlich der Unterbringung der umfangreichen feuerwehrtechnischen Beladung. Die Fahrzeuge müssten noch mehr in die Höhe gebaut werden, was sich aber aufgrund der Bedienbarkeit (Entnahme von Dachbeladungen) sowie aus einsatztaktischer Sicht (Berücksichtigung von Durchfahrtshöhen unter Brücken, Fahrdrähten etc) ausschließt.
Vorteilhaft aufgrund der gewählten Fahrzeugbreite ist, dass die Geräteräume G1 und G2 (jeweils direkt hinter der Mannschaftsraumkabine) tiefgezogen und mit untergebauten mechanisch ausziehbaren Auftritten (mit zwei Rasterungen) versehen werden konnten.
Lagerung der tragbaren Leitern: Auf den Einbau von Entnahmehilfen für die tragbaren Leitern auf dem Fahrzeugdach wurde aus Sicherheitsgründen bewusst verzichtet. Die Enden der Leitern liegen vom Boden aus betrachtet außerhalb des Sichtbereiches. Bei einer Entnahmehilfe mit Abkippen der Leitern bestünde damit unterhalb von Fahrleitungsdrähten die Gefahr eines elektrischen Stromschlages.
Mannschaftsraum: Sehr großes Augenmerk wurde auf das Platzangebot im Mannschaftsraum gelegt. Ziel war es, das größtmögliche Raumangebot insbesondere für den Atemschutztrupp auf den drei nebeneinander entgegen der Fahrtrichtung gelegenen Sitzen zu realisieren. Ein Maximum lässt sich derzeit nur mit einem im Aufbau integrierten Mannschaftsraum erreichen. Um eine komfortable Federung des Mannschaftsraumes zu erreichen, wurde dieser in besonderer Weise gelagert.
Löschwasserbehälter: Entgegen den Vorgaben der Norm, die einen Löschwasservorrat von mindestens 1600 Litern fordert, haben die Kölner Einsatzerfahrungen gezeigt, dass ein Löschwasservorrat von 1200 Litern ausreichend ist. Basis dieser Entscheidung waren die häufigsten Einsatzarten der LF der BF, die Möglichkeiten der Fahrzeugbesatzung aufgrund ihrer Mannschaftsstärke von 1/4/5, der technische Nutzen moderner Löschtechniken (Hohlstrahlrohre) sowie die Tatsache, dass ein TLF im Löschzugverband integriert ist. Zudem bietet die Wahl eines gegenüber der Norm kleineren Löschmittelbehälters die Möglichkeit, den verbleibenden Freiraum zur Unterbringung der feuerwehrtechnischen Beladung zu nutzen.
Stromerzeuger: Anstelle der bisherigen fest eingebauten Stromerzeuger mit Leistungen von 20 kVA, wurden tragbare Stromerzeuger mit Leistung von 13 kVA angeschafft. Für die Bedürfnisse der Feuerwehr ist diese Leistung ausreichend. Der Stromerzeuger kann nunmehr auch unabhängig vom Fahrzeug betrieben werden.
Belüftungsgerät: Alle HLF führen je einen elektrisch betriebenen Überdrucklüfter mit. Durch die Umstellung von Lüftern mit Verbrennungsmotor auf elektrisch betriebene Lüfter verbessert sich die Abgassituation. Es besteht nun keine Gefahr mehr, dass Abgase des Verbrennungsmotors des Lüfters in den zu belüftenden Gebäudeabschnitt gedrückt werden. Zudem ist die Lärmentwicklung deutlich geringer.
Warneinrichtung: In den neuen Fahrzeugen wurde zusätzlich zur elektrisch betriebenen akustischen Warneinrichtung eine Martin-Anlage mit vier Kompressorfanfaren eingebaut. Dadurch werden eine bessere Wahrnehmbarkeit im Straßenverkehr und in der Folge eine Erhöhung der Sicherheit erreicht. Die elektrische Warnanlage dient auch weiterhin als Durchsagemöglichkeit (über das Stabmikrofon) sowie zum Abspielen vorgefertigter Warntexte (über das angeschlossene Radio/CD-Gerät) bei Einsätzen zur Warnung der Bevölkerung bei Warn- und Evakuierungsmaßnahmen.
Suchscheinwerfer: Der bisher genutzte Handscheinwerfer wurde durch einen auf dem Fahrzeugdach fest aufgebauten Suchscheinwerfer mit Fernbedienung ersetzt. Die Blendgefahr für den Fahrer bei Einsatz des ehemaligen Handscheinwerfers im Innern des Fahrerhauses war mit ausschlaggebend für diese Veränderung.
Digitalfunk: Als Vorbereitung auf die künftige Umstellung von Analog- auf Digitalfunk sind die neuen Fahrzeuge bereits mit einer Digitalfunkvorrüstung ausgestattet.
Die funktechnische Ausstattung umfasst im Wesentlichen: - analoges 4 m-Band-Fahrzeugfunkgerät Teledux 9 der Firma EADS, - Einbaubediengerät FBT 897 der Firma Carls mit Steckplatz für SiKa-CARD zur Bedienung des Analog- und Digitalfunk-Sende- und Empfangsteils, - neuer Handhörer HAN 940 der Firma Carls in Fahrerhaus und Pumpenraum, - zentrale Steuereinheit ZSE 933 der Firma Carls zur zukünftigen Koppelung von digitaler und analoger Funktechnik.
Maschinelle Zugeinrichtung: Unter Berücksichtigung der Einsatzhäufigkeit der maschinellen Zugeinrichtung in der Vergangenheit und Konzentration auf die Kernaufgaben der Löschfahrzeugbesatzungen bei Einsätzen zur technischen Hilfeleistung wurde bei den neuen Fahrzeugen auf diese sehr kosten- und wartungsintensive Einrichtung verzichtet. Der Einsatz einer maschinellen Zugeinrichtung wird in der Regel nicht in der ersten Einsatzphase notwendig, so dass die Vorhaltung dieses technischen Hilfsmittels in einem Ersteinsatzfahrzeug nicht notwendig ist. Dazu verfügen die Fahrzeuge des Rüstzuges (Rüstwagen und Kran) über leistungsfähige Zugeinrichtungen.