 | www.ksta.de: „Der geilste Job der Welt“ |
Von wegen rumsitzen und auf die Klingel warten: Am Beispiel von Christian Nickel zeigen wir Ihnen, welche Fähigkeiten ein Brandmeister beherrschen muss. Er kennt zum Beispiel jeden Schleichweg in der Stadt.
Köln - Was macht ein Feuerwehrmann, wenn es nicht brennt? „Es gibt viele, die glauben, er sitze auf seiner Wache rum, spiele Karten, versüße sich mit Bier und Frauen den Tag und warte auf die Klingel“, schreibt ein Kölner Feuerwehrmann in einem Internet-Forum, in dem sich Einsatzkräfte austauschen. „Doch ich muss diese Leute enttäuschen. Der Beruf ist gefährlich, anspruchsvoll und mit sehr viel Verantwortung verbunden. Und es ist der geilste Job der Welt.“
Text und Bilder Quelle: www.ksta.de
In der Tat gibt es wohl kaum einen anderen Job mit einem derart komplexen Anforderungsprofil: Heizung, Strom, Wasserinstallationen, Funk, Statik, Holz- und Stahlkonstruktionen, Baukunde, Strahlenschutz, biologische und chemische Gefahren, Fahrzeugkunde, Hydraulik, Mechanik und Medizin - alles Bereiche, in denen sich ein Feuerwehrmann auskennen muss.
„Wir werden gerufen, wenn selbst Fachleute nicht mehr weiter wissen“, formuliert es ein Kölner Beamter, „nach uns kommt keiner mehr, wir müssen die Lösung finden.“ Am Beispiel des 30 Jahre alten Brandmeisters Christian Nickel zeigt der „Kölner Stadt-Anzeiger“ auf dieser Seite, was ein Feuerwehrmann in Köln so alles können und wissen muss. Nickel hat einen Realschulabschluss und eine abgeschlossene Ausbildung zum Elektroinstallateur.
Um auf dem neuesten Stand der Technik zu bleiben, absolviert jeder der ungefähr 900 Wehrleute im mittleren Dienst - unter ihnen übrigens nur eine Frau - mindestens zwei Wochen pro Jahr Fortbildungen oder Seminare. Jeder Beamte muss allein knapp 150 Geräte beherrschen, die auf den Lösch- und Rüstfahrzeugen vorgehalten werden - und zwar am besten blind. Jeder Handgriff muss sitzen. „Wenn man ein eingeklemmtes Kind aus einem Auto schneiden muss, bleibt keine Zeit, nochmal kurz in der Bedienungsanleitung zu blättern“, sagt ein Feuerwehrmann.
Aber weil sich eben doch nicht jedes technische Detail merken lässt, hat die Feuerwehr beispielsweise Baupläne bestimmter Gebäude oder Automodelle auf Laptops gespeichert. Im Ernstfall können die Wehrleute auf der Anfahrt oder am Einsatzort auf die Grafiken zurückgreifen.
Die meisten Fähigkeiten erlernen die Feuerwehrleute zwar während ihrer Ausbildung sowie später in zusätzlichen Aus- und Fortbildungen. Das Rüstzeug aber sollten sie schon bei der Einstellung mitbringen. So ist zum Beispiel eine abgeschlossene Handwerks-Ausbildung Voraussetzung für eine Bewerbung. Dennoch fallen bei den Tests der Kölner Feuerwehr bis zu 90 Prozent der Kandidaten durch. Wer sich auf den Sporttest, die schriftlichen Übungen und das Auswahlgespräch nicht gründlich vorbereitet, hat so gut wie keine Chance.
1200 Euro während der Ausbildung
Mit dem Tag der Einstellung werden die angehenden Feuerwehrleute zu Beamten. Der Bruttolohn während der 18-monatigen Ausbildungszeit beträgt etwa 1200 Euro. Anschließend verdienen Brandmeister etwa 2000 Euro netto - inklusive Zulagen für Schichtarbeit.
Auch zurzeit sucht die Kölner Feuerwehr wieder Bewerber für den mittleren Dienst. „Man kann sich jederzeit bewerben, es gibt keine Fristen“, sagt Feuerwehrsprecher Daniel Leupold. Auswahltests finden viermal pro Jahr statt. Für den gehobenen Dienst werden Bewerber mit Fachhochschulstudium zugelassen. Interessenten für den höheren Dienst müssen ein abgeschlossenes Hochschulstudium absolviert haben, möglichst naturwissenschaftlicher Richtung.
Weitere Informationen, auch zu den Anforderungen und Inhalten des Einstellungstests, gibt es auf den Internetseiten der Stadt Köln.
Das muss ein Feuerwehrmann können
Brandbekämpfung
Vor dem Ernstfall steht die Theorie. In ihrer Ausbildung lernen die Feuerwehrleute zum Beispiel, wie viel Wasser durch ein Strahlrohr fließt - damit sie abschätzen können, wann der Tank leer ist. Auch praktische Übungen stehen auf dem Lehrplan. In einer so genannten „Wärmegewöhnungsanlage“ etwa - einem Container, in dem Hitze simuliert wird - lernen die Feuerwehrleute, mit den körperlichen und psychischen Belastungen bei Temperaturen von bis zu 700 Grad umzugehen.
Sport
Wer nicht fit ist, fällt schon bei der Aufnahmeprüfung durch. Folgende Disziplinen sind zu bestehen: Schwebebalken (vorwärts und rückwärts balancieren), Liegestütze (zwölfmal mit der Nasenspitze den Boden berühren), Hindernisparcours in der Halle, Fünf-Sprung (mit fünf Sprüngen zwölf Meter bewältigen), Hochsprung (aus dem Stand 45 Zentimeter), Sprint (50 Meter in 7,3 Sekunden), Mittelstrecke (3000 Meter in 15 Minuten) und Kraftausdauer (90 Sekunden mit dem Rücken an der Wand in der Skihocke).
Physik/Chemie/Biologie
In ihrer Ausbildung erfahren die Feuerwehrleute, wie ein Atom aufgebaut ist, was radioaktive Strahlung ist, wie sie entsteht und wie man sich schützt. Sie müssen das Periodensystem der Elemente beherrschen und wissen, welche Stoffe giftig, ätzend oder brennbar sind. Und sie lernen, dass ein Liter Wasser 1700 Liter Wasserdampf ergibt. Warum das wichtig ist? „Um zu verstehen, dass man in kleinen Räumen besser nicht mit Wasser löscht, weil zu viel heißer Dampf entsteht“, erklärt Christian Nickel.
Medizin
In der Regel sind alle Feuerwehrleute ausgebildete Rettungsassistenten. Sie wissen, wie die Atmung funktioniert, wie der menschliche Körper aufgebaut ist, wie die Organe im Körper angeordnet sind und wie sie funktionieren. Sie können Armschienen und Elektrokardiogramme (EKG) anlegen, Blutdruck und Fieber messen und kennen Wirkung und Anwendung von 63 Medikamenten. Bei einer Reanimation ist der Rettungsassistent verantwortlich, bis der Notarzt eintrifft.
Führerscheine
Den Lkw-Führerschein hat Christian Nickel bei der Bundeswehr gemacht, bei der Feuerwehr lernte er den Umgang mit Rettungswagen, Löschfahrzeugen, Wechselladerfahrzeugen, Einsatzleitwagen und Gabelstapler. Nickel weiß, welche Geräte wo gelagert sind und wie er sie benutzt. Als Maschinist für Löschfahrzeuge bedient er die fest eingebaute Pumpe und den Stromerzeuger. Als „staatlich anerkannter Desinfektor“ desinfiziert er Fahrzeuge, mit denen ansteckende Patienten transportiert wurden.
Geografie
Alle Kenntnisse und Fähigkeiten nutzen wenig, wenn der Feuerwehrmann den Einsatzort nicht findet. Daher durchlaufen die angehenden Beamten einen so genannten „Ortskunde-Lehrgang“. Sie lernen die Standorte aller Feuer- und Rettungswachen sowie der Krankenhäuser kennen, alle Haupt- und die großen Nebenstraßen sowie sämtliche Schleichwege in ihrem Wachbezirk. „Wir sind während der Ausbildung zwei Tage nur durch Köln gefahren, jeder hatte seine eigene Straßenkarte dabei“, berichtet Christian Nickel.
Spezialfortbildung
Es gibt Lehrgänge zum Taucher oder Höhenretter, für Gefahrgutabwehr, die Arbeit in der Leitstelle, in der Funkwerkstatt oder als Ausbilder in der Feuerwehrschule. Christian Nickel macht jetzt eine Ausbildung zum Gruppenführer - inklusive Rechentest, Wissenstest über Feuerwehr-Fachgebiete und Staatsbürgerkunde. Auf einer Modellbauplatte und mit Modellautos wird die Entscheidungsfindung im Einsatz trainiert. Erst wenn diese in Fleisch und Blut übergegangen ist, geht es als Einsatzleiter in die Praxis.
Mechanik
Wie viel Tonnen Gewicht lassen sich mit einem Druckluft-Hebekissen bewegen? Wäre es womöglich effektiver, stattdessen den „hydraulischen Spreizer einzusetzen“? Lohnt es, den zerstörten VW Golf nach einem Unfall mit einer Seilwinde anzuheben oder kostet das unnötig Zeit, weil es ohnehin zwecklos wäre? Physik ist fester Bestandteil der Ausbildung. „Denn vor Ort muss man oft schnell entscheiden, wie ein Mensch am schonendsten gerettet werden kann“, sagte Feuerwehrsprecher Daniel Leupold
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